Das MIT hat 2025 rund 300 KI-Vorhaben in Unternehmen untersucht. Ergebnis: Bei 95 Prozent ließ sich keine messbare Wirkung auf das Geschäftsergebnis feststellen. Bei allem Vorbehalt gegenüber solchen Zahlen deckt sich das Muster mit dem, was ich sehe.
Die Erklärung ist unbequem: Es liegt fast nie an der Technik.
Der Punkt, an dem es kippt
Ein System zu bauen, das im Vorführmodus funktioniert, ist heute leicht. Ein System zu bauen, das nach acht Wochen noch benutzt wird, ist schwer. Zwischen diesen beiden Punkten liegt alles, was üblicherweise nicht eingeplant wird.
Ich habe das selbst erlebt: Die erste Fassung meiner Wissensdatenbank funktionierte technisch einwandfrei und wurde kaum benutzt. Nicht weil sie schlecht war, sondern weil sie einen Schritt mehr kostete als die alte Gewohnheit. Wer schnell etwas sucht, öffnet den Ordner, den er kennt.
Vier Gründe, die ich immer wieder sehe
Es löst kein Problem, das jemand hat. Der häufigste Fall. Jemand hat ein Werkzeug gesehen und dann eine Verwendung gesucht. Dagegen hilft nur die umgekehrte Reihenfolge: zuerst der Ablauf, dann das Werkzeug.
Es ist umständlicher als der alte Weg. Wenn die neue Lösung drei Klicks braucht und die alte zwei, gewinnt die alte. Immer. Ein System muss dort sitzen, wo die Arbeit passiert, nicht in einem eigenen Fenster, das man erst öffnen muss.
Niemand hat gezeigt, wie es geht. Ein Werkzeug ohne Einführung wird nach dem eigenen Vorurteil benutzt. Wer glaubt, KI sei Spielerei, probiert es einmal mit einer unfairen Frage, sieht sich bestätigt und lässt es. Eine halbe Stunde gemeinsam an einem echten Fall verändert das mehr als jede Anleitung.
Es ist niemandes Aufgabe. Wenn keiner zuständig ist, die Inhalte aktuell zu halten und Fehler zu sammeln, verrottet das System leise. Bei einer Wissensdatenbank sieht man das erst, wenn sie eine veraltete Norm ausgibt und jemand danach handelt.
Was den Unterschied macht
Klein anfangen, an einer echten Aufgabe. Nicht die Plattform für alles, sondern der eine Dokumentenberg, der am meisten wehtut. Wenn das funktioniert und benutzt wird, kommt der nächste dazu.
Die Leute vorher fragen. Wer den Ablauf täglich macht, weiß, wo es klemmt. Und wer gefragt wurde, benutzt das Ergebnis eher.
Messen, ob es benutzt wird. Nicht ob es funktioniert, sondern ob es jemand verwendet. Das sind zwei verschiedene Dinge, und nur das zweite zählt.
Einen Zuständigen benennen. Für die Inhalte, für die Rückmeldungen, für die Frage „warum kam da Unsinn heraus".
Der ehrlichste Satz zum Thema
Die Technik ist selten der Engpass. Der Engpass ist, dass ein neues Werkzeug eine eingespielte Gewohnheit ersetzen soll, und Gewohnheiten sind zäh. Wer das einplant, landet bei den fünf Prozent. Wer glaubt, ein gutes System setze sich von selbst durch, bei den fünfundneunzig.
Quelle: MIT NANDA, „The GenAI Divide: State of AI in Business 2025"