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Im Umgang · 1 von 4 Nr. 0011

Wie man fragt, damit etwas Brauchbares herauskommt

Von Martin Kirschner · · 2 Minuten Lesezeit · Belege geprüft am

Keine Zauberformeln, keine geheimen Befehle. Vier Dinge, die in der Praxis wirklich einen Unterschied machen, und einer, den man sich sparen kann.

Es gibt einen ganzen Markt für „Prompt-Vorlagen". Ich habe einige ausprobiert und halte das meiste für Beschwörungsformel. Was hilft, ist banal und hat mit Sprachmodellen wenig zu tun: Ich muss sagen, was ich will.

Vier Dinge machen bei mir den Unterschied.

1. Material mitgeben statt Wissen abfragen

Der größte Hebel, mit Abstand. Statt zu fragen „Wie formuliere ich eine Mängelrüge?" gebe ich den Befund, den Vertragsauszug und die einschlägige Vorschrift mit und sage, was daraus werden soll.

Im ersten Fall schöpft das Modell aus seinem allgemeinen Sprachwissen und kann etwas dazuerfinden. Im zweiten arbeitet es mit dem, was dasteht. Dieselbe Idee steckt hinter einer Wissensdatenbank, nur automatisiert.

2. Rolle, Zweck, Form, Grenzen

Vier Angaben, die ich fast immer mitgebe, weil sie das Ergebnis bei mir verändern:

  • Wer liest das? Ein Text für die Geschäftsführung sieht anders aus als einer für die ausführende Firma.
  • Wozu? Zur Ablage, zur Unterschrift, als Diskussionsgrundlage.
  • Wie lang, welche Form? Fließtext, Liste, Tabelle, halbe Seite.
  • Was darf nicht vorkommen? Keine Annahmen über Dinge, die nicht dastehen. Keine Vorschrift ohne Fundstelle.

Der letzte Punkt ist der unterschätzteste. Eine Grenze zu nennen wirkt bei mir oft stärker als drei Sätze Erklärung.

3. Nachbessern statt neu anfangen

Die erste Antwort ist ein Entwurf, nicht das Ergebnis. „Zu lang, halbiere es", „der zweite Absatz stimmt nicht", „nimm den Ton der ersten Fassung, aber die Gliederung der zweiten". Die Modelle, mit denen ich arbeite, behalten das Gespräch im Blick.

Setze ich jedes Mal neu an, werfe ich die halbe Arbeit weg.

4. Ergebnisse fordern, die man prüfen kann

Was ich nicht selbst nachrechnen kann, lasse ich mir zerlegen. „Zeig mir die Zwischenschritte." „Aus welchem Absatz stammt das?" „Was spricht dagegen?" Das macht die Antwort nicht richtiger, aber prüfbar. Eine genannte Fundstelle wird erst zum Beleg, wenn ich sie im Original aufschlage.

Was ich mir spare

Höflichkeit als Technik. Bitte und Danke schaden nicht, taugen mir aber nicht als Werkzeug. Nachgemessen wurde das 2024 an damaligen Modellen über Englisch, Chinesisch und Japanisch: Besonders höfliche Formulierungen garantierten dort keine besseren Ergebnisse, unhöfliche führten oft zu schlechteren (Yin u. a., 2024, arXiv:2402.145311).

Rollenspiel um seiner selbst willen. „Du bist ein weltweit führender Experte" bringt mir wenig. „Schreib für einen Bauleiter, der wenig Zeit hat" bringt mir viel. Der Unterschied: Das eine ist Schmeichelei, das andere eine Information über den Leser. Eine Untersuchung mit 162 Rollen an vier damaligen Modellfamilien und 2.410 Sachfragen fand dafür keinen Zugewinn an Genauigkeit (Zheng u. a., 2024, arXiv:2311.100542).

Lange Vorlagen aus dem Netz. Die, die ich probiert habe, waren für andere Modelle und andere Aufgaben gebaut. Drei eigene Sätze, die die Aufgabe genau beschreiben, bringen mir mehr.

Die eigentliche Fähigkeit

Nach zwei Jahren würde ich sagen: Gut fragen heißt, eine Aufgabe klar beschreiben. Das ist keine KI-Fähigkeit, sondern eine Arbeitsfähigkeit. Was ich einem neuen Kollegen sauber übergeben kann, kann ich auch einem Sprachmodell.

Und wo mir das nicht gelingt, merke ich es jetzt schneller als früher.

Quellen

  1. 1Yin u. a., 2024, arXiv:2402.14531 arxiv.org
  2. 2Zheng u. a., 2024, arXiv:2311.10054 arxiv.org

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