Es gibt einen ganzen Markt für „Prompt-Vorlagen". Ich habe einige ausprobiert. Das meiste davon ist Beschwörungsformel. Was tatsächlich hilft, ist banal und hat mit Sprachmodellen wenig zu tun: Man muss sagen, was man will.
Vier Dinge machen bei mir den Unterschied.
1. Material mitgeben statt Wissen abfragen
Der größte Hebel, mit Abstand. Statt zu fragen „Wie formuliere ich eine Mängelrüge?" gebe ich den konkreten Befund, den Vertragsauszug und die Norm mit und sage, was daraus werden soll.
Der Unterschied ist grundsätzlich: Im ersten Fall schöpft das Modell aus seinem allgemeinen Sprachwissen und erfindet mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas dazu. Im zweiten Fall arbeitet es mit dem, was dasteht. Dieselbe Idee steckt hinter einer Wissensdatenbank, nur automatisiert.
2. Rolle, Zweck, Form, Grenzen
Vier Angaben, die ich fast immer mitgebe, weil sie das Ergebnis verlässlich verändern:
- Wer liest das? Ein Text für die Geschäftsführung sieht anders aus als einer für die ausführende Firma.
- Wozu? Zur Ablage, zur Unterschrift, als Diskussionsgrundlage.
- Wie lang, welche Form? Fließtext, Liste, Tabelle, halbe Seite.
- Was darf nicht vorkommen? Keine Annahmen über Dinge, die nicht dastehen. Keine Norm ohne Fundstelle.
Der letzte Punkt ist der unterschätzteste. Eine Grenze zu nennen wirkt oft stärker als drei Sätze Erklärung.
3. Nachbessern statt neu anfangen
Die erste Antwort ist ein Entwurf, nicht das Ergebnis. „Zu lang, halbiere es", „der zweite Absatz stimmt nicht, hier ist warum", „nimm den Ton der ersten Fassung, aber die Gliederung der zweiten". Das Modell behält das Gespräch im Blick und arbeitet damit.
Wer stattdessen jedes Mal neu ansetzt, wirft die halbe Arbeit weg.
4. Ergebnisse fordern, die man prüfen kann
Wenn ich etwas nicht selbst nachrechnen kann, lasse ich es mir zerlegen. „Zeig mir die Zwischenschritte." „Aus welchem Absatz stammt das?" „Was spricht dagegen?" Das macht die Antwort nicht richtiger, aber prüfbar. Und prüfbar ist der einzige Zustand, in dem ich etwas verwende.
Was ich mir spare
Höflichkeit als Technik. Bitte und Danke schaden nicht, aber sie sind kein Werkzeug.
Rollenspiel um seiner selbst willen. „Du bist ein weltweit führender Experte" bringt wenig. „Schreib für einen Bauleiter, der wenig Zeit hat" bringt viel. Der Unterschied: Das eine ist Schmeichelei, das andere eine Information über den Leser.
Lange Vorlagen aus dem Netz. Meist sind sie für ein anderes Modell, eine andere Sprache und eine andere Aufgabe gebaut. Drei eigene Sätze, die die Aufgabe genau beschreiben, schlagen jede Vorlage.
Die eigentliche Fähigkeit
Nach zwei Jahren würde ich sagen: Gut fragen können heißt, eine Aufgabe klar beschreiben können. Das ist keine KI-Fähigkeit, das ist eine Arbeitsfähigkeit. Wer einem neuen Kollegen eine Aufgabe sauber übergeben kann, kann es auch einem Sprachmodell.
Und wer es nicht kann, merkt es jetzt schneller als früher.