Der Fehler, den ich am häufigsten gesehen habe, auch bei mir selbst: Zuerst wird ein Werkzeug ausprobiert, dann eine Verwendung dafür gesucht. Das fühlt sich nach Fortschritt an und bringt selten etwas. Umgekehrt wird ein Schuh daraus.
Schritt 1: Den Ablauf anschauen, nicht die Technik
Ich gehe dorthin, wo die Arbeit passiert, und schreibe auf, was dort wirklich getan wird. Wer öffnet welche Datei, tippt was wohin, fragt wen. Nicht, wie es im Organigramm steht, sondern wie es am Dienstag um zehn läuft. Dabei fallen die Handgriffe auf, die jede Woche gleich sind: das Suchen in Ordnern, das Abtippen aus dem PDF, das Vergleichen von zwei Listen.
Für jeden dieser Handgriffe stelle ich drei Fragen. Kommt er regelmäßig vor? Ist das Ergebnis leicht zu prüfen? Und: Wenn die KI daneben liegt, wie teuer ist das? Aus den Antworten entsteht eine kurze Liste mit zwei oder drei Kandidaten. Und eine zweite Liste mit allem, wo KI nichts verloren hat. Die zweite ist genauso wertvoll wie die erste.
Schritt 2: Rechnen, nicht fühlen
Für die Kandidaten rechne ich durch, was eine Lösung kostet und was sie einspart. Kosten heißt: eigene Zeit fürs Bauen, laufende Kosten für Server und Zugänge, Zeit für Pflege. Ersparnis heißt: Minuten pro Vorgang mal Vorgänge pro Monat mal Leute. Wenn dabei herauskommt, dass sich die Sache in achtzehn Monaten nicht rechnet, ist das ein Ergebnis. Bei einigen meiner Ideen kam genau das heraus: lieber nicht.
Rechtliche Fragen gehören in diesen Schritt, nicht ans Ende. Welche Daten fließen wohin, wer darf sie sehen, was verlangt die EU-KI-Verordnung. Wer das später prüft, baut oft doppelt.
Schritt 3: Klein bauen
Eine erste nutzbare Version, nicht das fertige System. Sie darf hässlich sein, sie muss nur die eine Aufgabe erledigen. Dann benutzen, zwei Wochen, im echten Alltag. Danach entscheiden: weiter, anders, oder weg damit.
Schritt 4: Im Alltag prüfen
Läuft es wirklich, oder nur wenn ich daneben sitze? Was muss nach? Wer pflegt es, wenn ich nicht da bin? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, ist etwas fertig.
Das Vorgehen ist das aus meiner Ausbildung zum KI-Manager: Anwendungsfälle finden und bewerten, Anforderungen festlegen, Kosten und Nutzen als Zahlen, Recht von Anfang an mit. Kein Bauchgefühl, ein Rechenweg. So habe ich alle drei Projekte begonnen, und so sind auch die Ideen gestorben, die auf dieser Seite nicht stehen.