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Bauen Nr. 0034

Warum die Daten den größten Teil der Arbeit machen

Bevor ein Modell aus Angeboten oder Artikelstämmen etwas Brauchbares macht, muss jemand die Daten vollständig, richtig, einheitlich, aktuell und eindeutig machen. Fünf Fragen, wer sie beantwortet, und warum ein Sprachmodell schlechte Daten hinter guter Sprache versteckt.

· 4 Minuten Lesezeit · Datenqualität, Angebotsprüfung, Vorgehen

Drei Angebote für dieselbe Lüftungsanlage, drei Datenträger, drei Firmen. Dieselbe Position steht dreimal anders da: einmal in „lfm", einmal in „m", einmal in Stück. Der Kurztext ist bei einer Firma gekürzt, bei der zweiten aus dem eigenen Artikelstamm überschrieben, die dritte führt eine Artikelnummer, die es beim Hersteller heuer gar nicht mehr gibt. Wer den Preisspiegel von Hand macht, sieht das nach zehn Minuten. Wer diese drei Dateien einem Modell gibt, sieht es womöglich nie.

Denn das Modell stockt nicht. Es liefert eine Tabelle, sauber formatiert, mit einer Summe unten. Stehen „lfm" und „m" nebeneinander, kann es sein, dass es einfach addiert. Kommt eine Artikelnummer doppelt vor, nimmt es womöglich eine davon. Das Ergebnis liest sich gut. Genau das ist das Problem: Ein Sprachmodell versteckt schlechte Daten hinter guter Sprache. Warum es das tut, steht im Beitrag Warum KI erfindet.

Wie viel diese Arbeit ausmacht, kann ich nur an meinem eigenen Fall zeigen: Bei der Wissensdatenbank habe ich mehr Zeit mit dem Zerlegen und Prüfen der Dokumente verbracht als mit allem anderen zusammen. Das Modell war der uninteressanteste Teil.

Fünf Fragen an jeden Datenbestand

Ich stelle sie in dieser Reihenfolge, weil die erste die billigste ist und die letzte die teuerste.

  • Vollständig: Ist alles da? Fehlt eine Position, fehlt sie im Ergebnis auch, nur ohne Warnung.
  • Richtig: Stimmt der Wert? Ein Tippfehler in der Menge wird zum Tippfehler im Preisspiegel.
  • Einheitlich: Heißt dieselbe Sache überall gleich? Einheit, Schreibweise, Nummernkreis.
  • Aktuell: Ist es die gültige Fassung? Der alte Artikelstamm liefert alte Preise, mit derselben Sicherheit wie der neue.
  • Eindeutig: Kann man jede Zeile genau einem Ding zuordnen? Zwei Positionen mit gleichem Text und verschiedenem Inhalt sind das Ende jeder Auswertung.

Bei meiner Angebotsprüfung war der schwierige Teil nicht das Modell, sondern das Auslesen der Tabellen aus den PDFs, also genau diese Arbeit. Von 25 Minuten auf zwei ist es erst gegangen, als die Positionen in einer Form vorlagen, in der die fünf Fragen mit Ja zu beantworten sind.

Warum es dafür eine Norm gibt

Der Bau hat das Problem lange vor der KI gekannt. Deshalb regelt die ÖNORM A 2063-1 den Austausch von Daten in elektronischer Form für Leistungsbeschreibung, Ausschreibung, Angebot, Werkvertrag und Schlussrechnung (Austrian Standards, ÖNORM A 2063-1:2021 03 15). Wer sich daran hält, liefert Positionsnummer, Menge, Einheit und Preis in einer festgelegten Struktur. Das ist genau die Einheitlichkeit und Eindeutigkeit aus der Liste oben, nur eben mit Norm dahinter.

Die Praxis sieht anders aus. Firmen pflegen eigene Kurztexte, alte Nummern, eigene Einheiten. Und wer als PDF anbietet, ist von der Norm gar nicht erreicht: dessen Tabellen muss man erst auslesen, und genau das ist die eigentliche Arbeit. Der Datenträger löst das Problem also nicht, er verkleinert es. Der Rest bleibt Arbeit.

Auch die EU-KI-Verordnung setzt bei den Daten an. Für Hochrisiko-Systeme verlangt Artikel 10, dass Trainings-, Validierungs- und Testdaten relevant, hinreichend repräsentativ und so weit wie möglich fehlerfrei und vollständig sind, und sie zählt Bereinigung, Aktualisierung und Kennzeichnung ausdrücklich als Datenaufbereitung auf (Verordnung (EU) 2024/1689, Artikel 10). Ein Preisspiegel ist kein Hochrisiko-System. Aber die Aufzählung zeigt, dass der Gesetzgeber die Datenarbeit als eigene Arbeit begreift.

Wer das macht

Nicht die IT. Die IT sieht ein Feld namens „Einheit" mit dem Inhalt „lfm" und ein zweites mit „m" und weiß nicht, ob das dasselbe ist. Ich weiß es, weil ich die Positionen kenne. Ob der Kurztext „Rohr DN 100 verz." dasselbe meint wie „Stahlrohr verzinkt DN 100", entscheidet die Fachabteilung. Sie kennt die Herstellerlisten, sie weiß, welche Nummer heuer noch gilt, sie sieht, wenn eine Menge nicht zum Plan passt.

Das ist unbequem, weil es keine spannende Arbeit ist. Es ist Zeilen vergleichen, Einheiten angleichen, Nummern nachschlagen. Aber wer sie überspringt, bekommt ein Werkzeug, das schnell falsche Tabellen liefert. Wie man rechnet, ob sich der Aufwand trägt, steht in Rechnen, bevor man baut.

Darauf achte ich

Bevor ein Modell die Daten sieht, prüfe ich zwei Dinge. Erstens: Gibt es für jedes Feld eine einzige erlaubte Schreibweise, und ist sie irgendwo aufgeschrieben? Zweitens: Wer meldet, wenn eine neue Fassung kommt, ein neuer Artikelstamm, eine neue Preisliste? Ohne Antwort auf beides ist der Datenbestand nicht fertig, egal wie gut das Modell ist.

Und ich lasse das Modell zeigen, woraus es gerechnet hat: Datei, Position, Zeile. Dann fällt „lfm" neben „m" auf, bevor die Summe jemand unterschreibt.

Weiter in Bauen Der neue Fühler meldet anders