Ein Mitarbeiter der Hausverwaltung geht durchs Haus und findet auf Ebene zwölf ein defektes Ventil im Kaltwassersystem. Er schreibt auf, wo es sitzt und wie es heißt, und macht ein Foto. Bis hierher dauert das zwei Minuten. Was danach kommt, dauert länger: das passende Datenblatt finden, damit das Teil repariert oder nachbestellt werden kann.
Warum das Suchen so lange dauert
Die Unterlagen sind da. Zu jedem Projekt gibt es Ordner, darin Unterordner, darin Dateien. Nur liegt manches falsch einsortiert, manches doppelt in zwei Ständen, und bei manchem Plan erkennt man mit freiem Auge nicht mehr, was draufsteht, weil er als Scan vom Scan abgelegt wurde. Wer das Datenblatt zu einem einzelnen Ventil sucht, klickt sich durch Ordner, öffnet Dateien auf Verdacht und fragt am Ende einen Kollegen, der vielleicht weiß, wo es liegt.
Das ist kein Ordnungsproblem, das jemand durch Aufräumen löst. Bestandsunterlagen wachsen über Jahre, mit wechselnden Firmen, wechselnden Mitarbeitern und wechselnden Ablagegewohnheiten.
Wie eine Suche darüber aussehen würde
Der Mitarbeiter geht nicht mehr in den Ordner, sondern ins Chatfenster: „Auf Ebene zwölf ist ein Ventil im Kaltwassersystem defekt", dazu das Foto. Das System durchsucht die eingelesenen Unterlagen und antwortet mit dem, was es gefunden hat: das Datenblatt zum Öffnen, die Einbaustelle laut Plan, die Angaben zur Einstellung, wenn sie in den Unterlagen stehen.
Der Punkt daran ist nicht die Antwort, sondern die Fundstelle daneben. Ohne sie wäre es eine Behauptung, mit ihr ist es ein Verweis auf ein Dokument, das der Mitarbeiter selbst aufmachen und lesen kann. Wie so eine Suche technisch arbeitet, steht auf der Seite zur Wissensdatenbank.
Neu ist daran nichts. Es ist dieselbe Technik, die ich schon für ein anderes Fachgebiet gebaut habe, nur mit anderen Dokumenten darin. Gebaut habe ich sie für eine Hausverwaltung bisher nicht, das hier ist der durchdachte Fall, kein Erfahrungsbericht.
Was so ein System nicht kann
Drei Grenzen, die ich vorher ansprechen würde und nicht hinterher.
Was nicht eingelesen ist, gibt es nicht. Fehlt das Datenblatt zu diesem einen Ventil in der Ablage, findet es auch die beste Suche nicht. Das System macht sichtbar, was da ist, es ergänzt nichts.
Ein schlechter Scan bleibt ein schlechter Scan. Was ein Mensch mit freiem Auge nicht mehr entziffert, liest auch die Maschine schlecht. Beim Auslesen von Zeichnungen kommen Modelle ohnehin an Grenzen: In einer Messung an 120 Grundrissen erreichten die stärksten Modelle beim Zählen einzelner Bauteile im Mittel 0,40 bis 0,55 Genauigkeit, die übrigen lagen darunter (AECV-Bench, arXiv:2601.048191, abgerufen am 24. August 2026).
Das Foto ist ein Hinweis, kein Beweis. Ein Bildmodell kann ein Bauteil grob einordnen, es kann sich dabei aber auch an Merkmalen festhalten, die mit der Sache nichts zu tun haben. Was das im Baustellenalltag bedeutet, habe ich in Dreihundert Fotos vom Baustellenrundgang aufgeschrieben. Ich würde das Foto deshalb als Zusatz zur Beschreibung verwenden, nicht als Ersatz dafür.
Was ich daraus mache
Der Nutzen liegt nicht darin, dass eine KI etwas weiß. Er liegt darin, dass jemand in zwei Minuten das Dokument offen hat, für das er sonst eine halbe Stunde gesucht hätte, und dass er es selbst liest, bevor er bestellt.
Die eigentliche Arbeit steckt davor, im Einlesen: Was liegt überhaupt in der Ablage, welcher Stand gilt, was ist doppelt. Diese Arbeit nimmt einem kein Modell ab, und wer sie überspringt, bekommt eine schnelle Suche über einen unzuverlässigen Bestand. Warum die Daten den größeren Teil des Aufwands ausmachen, steht in einem eigenen Beitrag.
Quellen
- 1AECV-Bench, arXiv:2601.04819 arxiv.org