Eine Heizlast überschlagen, einen Kabelquerschnitt vorbemessen, einen U-Wert gegen den Grenzwert der OIB-Richtlinie 61 prüfen: Für jede dieser Rechnungen gibt es irgendwo im Internet ein Tool. Meistens gehört es einem Hersteller, und bevor man rechnen darf, meldet man sich an, hinterlässt eine E-Mail-Adresse und bekommt einen Newsletter dazu. Bei dreißig Anbietern für dreißig verschiedene Rechnungen ist das dreißigmal derselbe Umweg.
Was daraus geworden ist
Ich baue mein eigenes Rechentool, tgatool.online, eine einzige zentrale Seite für Schnellberechnungen und überschlägige Auskunft: Dimensionierung, Vorbemessung, Plausibilitätsprüfung. Programmiert wird es von Claude und Codex im Team, einer schreibt, der andere liest gegen und prüft. Nachrechnen, ob am Ende auch die richtige Zahl herauskommt, muss trotzdem ich.
Angefangen haben wir mit über vierzig Modulen. Live sind aktuell fünfundzwanzig, HKLS, Elektro und Bauphysik. Der Rest ist nicht verloren, er ist zurückgestellt, weil beim Nachprüfen echte Fehler herauskamen, die ich nicht ausliefern wollte.
Wo es schiefging
Zwei Beispiele, unterschiedlicher Art.
Beim U-Wert einer Bodenplatte gegen Erdreich braucht es ein eigenes Rechenverfahren, weil das Erdreich selbst einen Wärmewiderstand hat. Das Modell hat stattdessen einfach geschichtet gerechnet und das Erdreich komplett ausgelassen: 3,37 statt 0,687 W/(m²K), Faktor 4,9. Keine falsche Zahl, sondern eine fehlende Grundannahme.
Bei der Trinkwasser-Spitzendurchflussberechnung waren drei Konstanten im Modul einfach erfunden, nirgends belegt, von keiner Quelle. Ergebnis: 39 Prozent zu viel Spitzendurchfluss. Das ist dieselbe Selbstsicherheit, die ich schon aus dem Chatfenster kenne, nur diesmal im eigenen Code statt in einer Antwort.
Weder das schreibende noch das gegenlesende Modell hat einen der beiden Fehler von selbst gefunden. Gefunden habe ich sie beim eigenen Nachrechnen.
Fertig ist es nicht
Auch bei den Modulen, die schon live sind, kommt es vor, dass mir jemand, der damit arbeitet, einen kleinen Fehler zurückmeldet. Das ist unangenehm, zeigt aber nur, was ohnehin gilt: Sowohl die KI als auch ich können mich irren. Deshalb bleibt das Nachprüfen eine dauernde Aufgabe, kein einmaliger Schritt vor der Veröffentlichung.
Trotzdem ist das Tool für mich schon jetzt, jeden Tag, eine große Hilfe. Nicht weil es fehlerfrei wäre, sondern weil ich weiß, wo seine Grenze liegt, und wo ich selbst noch nachsehen muss.
Darauf achte ich
- Jeder Ausgangswert, der aus dem Internet oder von einem Modell stammt, wird gegen eine unabhängige Quelle oder von Hand nachgerechnet, nicht nur gegen eine zweite KI-Meinung.
- Zwei Modelle, die aus derselben falschen Grundlage arbeiten, sind eine Meinung, nicht zwei.
- Ein Modul geht erst live, wenn ich es selbst durchgerechnet habe. Lieber fünfundzwanzig geprüfte als vierzig ungeprüfte.
- Rückmeldungen von Nutzern nehme ich als das, was sie sind: eine dritte Prüfung, die ich nicht selbst hätte leisten können.
Quellen
- 1Grenzwert der OIB-Richtlinie 6 oib.or.at