Angenommen, ich will ein kleines Programm schreiben, das drei Angebote zu einem Preisspiegel zusammensetzt: Positionen nebeneinander, Einheitspreise, Abweichungen zum Mittelwert markiert. Der Ablauf ist klar, das Ergebnis eine Tabelle. Drei Werkzeuge liegen bereit, ich benutze alle drei täglich. Welches nehme ich? Die Antwort hängt nicht vom Programm ab, sondern von sechs Fragen, die ich mir vorher stelle.
Sechs Fragen vor dem ersten Befehl
Habe ich schon ein Konto? Codex steckt laut Codex-Preisseite auch im Free-Plan von ChatGPT. Bei Mistral gibt es laut Preisseite ebenfalls einen Free-Plan, der das Programmierwerkzeug einschließt, allerdings mit begrenzter Zahl an Sitzungen; Pro kostet 14,99 US-Dollar im Monat. Claude Code ist laut Preisseite ab Pro enthalten, im Free-Plan nicht (Stand August 2026). Wer nur probieren will, hat bei zwei von drei Werkzeugen keine Hürde. Der Haken bei Mistral steht im Hilfeartikel zum Training: Bei Free und Pro werden Ein- und Ausgaben standardmäßig zum Training verwendet, solange man nicht widerspricht, bei Team und Enterprise nicht.
Soll der Auftrag ohne mich weiterlaufen? Mistral hat dafür Remote-Agenten. Jede Sitzung läuft laut Ankündigung in einer eigenen Sandbox, und wenn die Arbeit fertig ist, kann der Agent einen Pull Request auf GitHub öffnen. Wo diese Sandboxes stehen und wie lange sie etwas behalten, habe ich in der Doku nicht gefunden. Angenommen, der Preisspiegel liegt nur lokal in einem git-Ordner, den niemand sonst sieht: dann bleibt von dieser Betriebsart wenig übrig, die Terminal- und Editorvarianten aller drei arbeiten trotzdem im Projektordner.
Brauche ich EU-Verarbeitung? Anthropics eigene API kennt laut Dokumentation zur Datenresidenz nur die Werte global und us. Mistral schreibt im Hilfeartikel zum Speicherort, die Daten lägen standardmäßig in der Europäischen Union, je nach Funktion könnten sie aber zeitweise außerhalb verarbeitet werden. Wer es festnageln will, nimmt den EU-Endpunkt, und dort steht laut Doku zur regionalen Inferenz zweierlei: Der Aufschlag beträgt zehn Prozent, und zustandsbehaftete Funktionen wie Agents, Batch und die Dateischnittstelle gibt es auf den regionalen Endpunkten nicht. Kontoeinstellungen, Schlüssel, Abrechnung und Nutzungsstatistik können laut derselben Seite weiterhin außerhalb der gewählten Region verarbeitet werden. Was in Enterprise-Konstellationen geht, steht in Wo der Code hingeht.
Muss es mit einem eigenen Anbieter laufen können? Von Haus aus spricht Claude Code Claude-Modelle und Codex OpenAI-Modelle. Die Vibe CLI von Mistral nimmt laut Doku zum lokalen Betrieb jedes Modell an, das hinter einer OpenAI-kompatiblen Schnittstelle liegt; empfohlen wird für den lokalen Fall Devstral Small 2, das laut Ankündigung auch auf Rechnern ohne eigene Grafikkarte läuft. Mit abgeschalteter Telemetrie und abgeschalteter Selbstaktualisierung kontaktiert die CLI dann laut derselben Doku weder mistral.ai noch einen anderen externen Dienst, wobei Skills, MCP-Server und Konnektoren getrennt abgeschaltet werden müssen. Codex lässt sich laut Konfigurationsreferenz über eine Basis-URL auf eigene Anbieter umstellen, mit den eingebauten Kennungen ollama und lmstudio für lokale Modelle. Claude Code lässt sich laut Doku auf Bedrock, Google Clouds Agent-Plattform, Microsoft Foundry oder einen eigenen Gateway umlenken, spricht dort aber immer Claude-Modelle; einen lokalen Anbieter nennt die Doku nicht. Ausprobiert habe ich den Betrieb ohne Netz nicht, beschrieben ist er nur bei Mistral.
Muss es quelloffen sein? Die Codex-CLI liegt laut Repository unter Apache 2.0, die Vibe CLI laut ihrem Repository ebenfalls. Bei Mistral hört es nicht beim Werkzeug auf: Devstral Small 2 steht laut Ankündigung auch unter Apache 2.0, das größere Devstral 2 unter einer geänderten MIT-Lizenz. Beim npm-Paket @anthropic-ai/claude-code steht im Lizenzfeld nur „SEE LICENSE IN README.md" (npm-Register, abgerufen am 19. August 2026); die Nutzung richtet sich laut Rechtsseite nach den Consumer Terms oder Commercial Terms von Anthropic. Wer den Quelltext seines Werkzeugs lesen und ändern will, hat es also bei Codex und bei Mistral Vibe leicht, und bei Mistral kann das Modell selbst mitkommen.
Will ich Modelle mehrerer Hersteller in einem Werkzeug? Dann ist die Vibe CLI am nächsten dran, weil sie alles annimmt, was hinter einer OpenAI-kompatiblen Schnittstelle liegt. Bei Codex geht es über die Basis-URL aus der vierten Frage. Claude Code spricht in jeder dieser Konstellationen Claude-Modelle.
Was für alle drei gleich gilt
Der Code wird geprüft wie von Menschen geschriebener. Mistral schreibt es im eigenen Leitfaden deutlich: Ausgaben ungeprüft zu übernehmen tauge für Wegwerf-Prototypen und nicht für Produktion, und man solle keinen Code einchecken, den man nicht jemand anderem erklären kann. Für die beiden anderen habe ich keine gegenteilige Zusage gefunden, und ich würde sie auch nicht glauben. Bei mir läuft jeder erzeugte Abschnitt durch dieselben Tests wie ein von Hand geschriebener, und beim Preisspiegel hieße das: drei echte Angebote, händisch nachgerechnet, bevor ich einer Zeile traue.
Darauf achte ich
- Erst die sechs Fragen, dann das Werkzeug. Für ein Programm, das lokal läuft, in einem privaten Ordner, mit Angebotsdaten, die nirgends hin sollen, fällt vieles weg, bevor die Vorlieben ins Spiel kommen.
- Ist keine der Fragen scharf, entscheidet das Konto, das ich schon habe. Den Preisspiegel könnte mir jedes der drei schreiben.
- Die Doku ändert sich schnell. Alles hier ist Stand 19. August 2026, abgerufen an dem Tag, an dem ich es geschrieben habe. Was in einem halben Jahr gilt, schlage ich dann nach, nicht in diesem Beitrag.
Wie ich mit den dreien im Alltag arbeite, steht in Drei Werkzeuge, ein Prinzip.