Es gibt Projektordner, bei denen ich vor dem ersten Auftrag zweimal nachdenke, weil darin Unterlagen liegen, die nicht mir gehören. Meist besteht das Nachdenken darin, die Datenschutzseite des Anbieters zu lesen und danach zu entscheiden, was in den Ordner darf. Es gibt aber einen zweiten Weg: das Modell auf den eigenen Rechner holen. Bei Mistral ist der am weitesten ausgebaut.
Täglich laufen bei mir vier Werkzeuge, drei davon zum Programmieren: Claude Code, Codex und die Mistral Vibe CLI. Das vierte, Copilot 365, sitzt im Büro und nicht im Projektordner, dazu mehr in Copilot 365 sitzt im Postfach.
Vier Oberflächen, ein Agent
Das Programmierwerkzeug von Mistral heißt Vibe for Code. Es gibt es als Kommandozeile im Terminal, als Erweiterung für VS Code, JetBrains und Zed, als Weboberfläche und als Remote-Agenten, die eine Aufgabe außerhalb der laufenden Sitzung weiterführen (Produktseite1). Dahinter stehen mehrere Modelle: Mistral Medium für mehrstufige Aufgaben, Devstral 2 fürs Programmieren, Codestral für schnelle Vervollständigung, Codestral Embed für die semantische Suche im Code.
Installiert wird die Kommandozeile mit einem Einzeiler oder über pip beziehungsweise uv, unter macOS, Linux und Windows, ab Python 3.12. Danach heißt der Befehl schlicht vibe. Die Doku beschreibt die Arbeitsweise so: Die CLI liest den Projektkontext, erzeugt Code, ändert Dateien und führt Shell-Befehle aus, wenn man sie freigibt (Installation2).
Diese Freigabe ist kein Nebensatz. Bei größeren Dateiänderungen und bei Shell-Befehlen zeigt die CLI vorher eine Vorschau und fragt nach, sofern das aktive Profil nicht selbst zustimmt. Zwischen den vier eingebauten Profilen wird mit Shift und Tab umgeschaltet: default fragt vor jedem Werkzeugaufruf, plan gibt nur gefahrlose Lesezugriffe selbst frei, accept-edits winkt Dateiänderungen im Arbeitsverzeichnis durch und fragt nur noch bei Shell-Befehlen, auto-approve gibt alles frei. Zu diesem letzten schreibt Mistral eine Warnung dazu: nur in einer vertrauenswürdigen, abgeschotteten Umgebung, weil der Agent beliebige Befehle ausführen kann, auch ein rm -rf auf jeden Pfad, den er erreicht (Agents3, abgerufen am 19. August 2026). Wer ältere Anleitungen liest, stolpert über alte Namen: Le Chat heißt inzwischen Vibe und teilt sich in Vibe Work, Vibe Code und Vibe Chat (Hilfeartikel4).
Der Betrieb ohne Netz
Die Vibe CLI läuft auch vollständig lokal. Empfohlen wird dafür Devstral Small 2, ein Modell mit 24 Milliarden Parametern unter Apache 2.0. Mistral schreibt dazu, es laufe auf gewöhnlicher Hardware und auch auf reinen CPU-Konfigurationen ohne eigene Grafikkarte (Ankündigung Devstral 25). Dass es ohne Grafikkarte deutlich langsamer wird, steht in der Doku daneben.
Der entscheidende Satz steht ebenfalls dort: Mit einem lokal betriebenen Anbieter, abgeschalteter Telemetrie und abgeschalteter Selbstaktualisierung nimmt die CLI keine Verbindung zu mistral.ai oder einem anderen externen Dienst auf (Lokaler Betrieb6, abgerufen am 19. August 2026). Dazu gehört eine Einschränkung im selben Absatz, die man nicht überlesen darf: Skills, MCP-Server und Konnektoren, die nach draußen greifen, muss man einzeln abschalten. Die Kommandozeile selbst ist quelloffen, das Repository steht unter Apache 2.0 (mistralai/mistral-vibe7).
Ein Alleinstellungsmerkmal ist das nicht: Auch Codex lässt sich laut Konfigurationsreferenz8 (abgerufen am 19. August 2026) auf einen eigenen Anbieter umstellen, mit den eingebauten Kennungen ollama und lmstudio für lokale Modelle. Der Unterschied liegt woanders. Mistral beschreibt den netzlosen Betrieb ausdrücklich als vorgesehenen Fall, sagt dazu, welche Schalter dafür umzulegen sind, und liefert mit Devstral Small 2 ein eigenes offenes Modell mit. Bei Claude Code habe ich in den gelesenen Seiten nur Cloud-Anbieter gefunden.
Die Kehrseite steht in den Voreinstellungen
Wer die CLI ganz gewöhnlich mit dem Vibe-Konto betreibt, sollte zwei Voreinstellungen kennen.
Erstens das Training. In den Plänen Free, Pro und Education werden Ein- und Ausgaben standardmäßig zum Training der Modelle verwendet, solange man nicht widerspricht. Für Team und Enterprise gilt das nicht, dort wird nicht trainiert und man kann es auch nicht selbst einschalten (Hilfeartikel Training9, abgerufen am 19. August 2026). Der Schalter sitzt unter Manage, dort Vibe, dort Privacy, und heißt „Allow your interactions to be used to train our models" (Hilfeartikel Widerspruch10).
Zweitens die Telemetrie. Sie ist ab Werk eingeschaltet, ebenso die Selbstaktualisierung. Laut Doku gehen dabei keine Eingaben, Dateiinhalte oder Modellausgaben mit, sondern anonyme Nutzungs- und Fehlerdaten (Konfiguration11, abgerufen am 19. August 2026). Das Sitzungsprotokoll ist ebenfalls voreingestellt an, weil das Fortsetzen einer Sitzung daran hängt. Es liegt lokal unter ~/.vibe/logs.
Wohin Code bei welchem Anbieter geht, steht als Tabelle in Wo der Code hingeht.
Darauf achte ich
- Vor dem ersten Auftrag ins Konto schauen: Training abschalten, wenn kein Team- oder Enterprise-Plan dahintersteht.
- Für heikle Ordner das lokale Modell, und dann Telemetrie, Selbstaktualisierung, Skills, MCP-Server und Konnektoren einzeln abdrehen. Sonst stimmt der Satz aus der Doku nicht mehr.
- Das Profil bewusst wählen.
auto-approvespart die Rückfragen und nimmt zugleich jede Bremse heraus, deshalb gehört es nur in eine Umgebung, um die es nicht schade ist. - Ältere Anleitungen mit Vorsicht lesen, die Namen haben heuer gewechselt.
Quellen
- 1Produktseite mistral.ai
- 2Installation docs.mistral.ai
- 3Agents docs.mistral.ai
- 4Hilfeartikel help.mistral.ai
- 5Ankündigung Devstral 2 mistral.ai
- 6Lokaler Betrieb docs.mistral.ai
- 7mistralai/mistral-vibe github.com
- 8Konfigurationsreferenz learn.chatgpt.com
- 9Hilfeartikel Training help.mistral.ai
- 10Hilfeartikel Widerspruch help.mistral.ai
- 11Konfiguration docs.mistral.ai