Ein Auftrag, den ich aus dem Terminal mit claude --cloud losschicke und der länger dauert: Tests durchlaufen lassen, die Fehler beheben, das Ergebnis auf einen eigenen Zweig legen. Ich klappe den Laptop zu und fahre heim. Unterwegs schaue ich in der Claude-App am Handy nach, ob eine Rückfrage offen ist, beantworte sie und lasse weiterarbeiten. Am Abend hole ich den Stand mit claude --teleport zurück ins Terminal und lese die Änderungen durch. Das ist der Teil an Claude Code, der mich nach einem Jahr Alltag am meisten überrascht hat.
Eine Sitzung, mehrere Orte
Claude Code ist ein Programmierwerkzeug, das im Projektordner arbeitet: Es liest die Dateien, ändert sie, führt Befehle aus und legt Commits an. Es gibt es im Terminal, als Erweiterung für VS Code und JetBrains, als Desktop-App und im Browser samt Handy-App. Laut Übersichtsseite hängen alle Oberflächen am selben Kern, und CLAUDE.md, Einstellungen und MCP-Server gelten überall (Claude Code Overview).
Das ist im Alltag wichtiger, als es klingt. In jedem meiner Projektordner liegt eine CLAUDE.md. Darin steht, was sonst nur in meinem Kopf wäre: die Regeln des Projekts, was nie ohne Rückfrage passiert, wie geschrieben wird. Nehme ich das Handy, gilt dieselbe Datei. Ich muss nichts ein zweites Mal erklären. Dazu kommen Hooks, also Befehle, die vor oder nach einem Schritt automatisch laufen, etwa ein Formatierer nach jeder Änderung, und Skills, mit denen Wiederkehrendes zu einem einzigen Kommando wird. Mit claude -p läuft das Ganze ohne Oberfläche in einem Skript oder in der CI mit; die Doku nennt das die Unix-Philosophie.
Der Rundweg hat eine Bedingung, die man kennen muss: Eine laufende Terminal-Sitzung lässt sich nicht nachträglich in die Cloud schieben. --cloud erzeugt eine neue Cloud-Sitzung aus dem GitHub-Remote des aktuellen Ordners, --teleport holt eine Cloud-Sitzung ins Terminal, und danach hat das Terminal seine eigene Kopie (Claude Code on the web). Wer lokale Commits hat, pusht also vorher.
Was stört
Vier Dinge, die ich nicht verschweigen möchte.
Kein Gratiszugang. Im Abo ist Claude Code erst ab Pro dabei, Stand August 2026 laut Preisseite 17 US-Dollar im Monat bei Jahreszahlung, 20 bei monatlicher (Preisseite). Alternativ geht es über die Konsole nach Verbrauch. Gratis geht es nicht.
Die Web-Version hängt an GitHub. Klonen und Pull Requests anlegen brauchen GitHub; ein GitLab-Repo lässt sich als lokales Bündel hinschicken, die Sitzung kann aber nichts zurückschieben. Die Web-Version ist außerdem als Research Preview gekennzeichnet und teilt sich die Nutzungsgrenzen mit allem anderen im Konto (Claude Code on the web).
Lange Sitzungen kosten überproportional. Laut Kostenseite schickt Claude Code bei jeder Anfrage den ganzen bisherigen Verlauf mit. Der Zwischenspeicher macht das billiger, aber eine Einzeilerfrage in einer Sitzung, die seit dem Vormittag offen ist, zieht trotzdem den ganzen Vormittag mit (Manage costs). Deshalb /clear zwischen zwei Aufgaben. Als Anhaltspunkt nennt Anthropic in der Kostendoku (Stand August 2026) für Firmenkunden mit Verbrauchsabrechnung im Schnitt rund 13 US-Dollar je Entwickler und aktivem Tag.
Kein EU-Rechenort in der Erstanbieter-Schnittstelle. Bevor etwas Vertrauliches hineingeht: Einen EU-Rechenort kann ich nicht wählen. Wo gerechnet wird, bestimmt der Anbieter (Standard weltweit, auf Wunsch nur USA, gegen Aufschlag), es sei denn, ich gehe bewusst über einen Cloud-Anbieter mit EU-Region (Data residency). Die Steuerung ist ein Parameter der API, kein Schalter im Abo. Was das für die eigenen Unterlagen heißt, steht in Wo der Code hingeht.
Und: Claude Code ist an Claude-Modelle gebunden. Die Deployment-Übersicht führt im Abschnitt zum Festlegen der Modellversionen ausschließlich Claude-Modelle, auch für Amazon Bedrock, Google Cloud und Microsoft Foundry (Enterprise deployment overview). Wer Modelle verschiedener Hersteller vergleichen will, braucht ein zweites Werkzeug. Wie ich die drei nebeneinander sehe, steht in Drei Werkzeuge, ein Prinzip.
Darauf achte ich
- Vor
--cloudpushen. Die Cloud klont den Remote, nicht meinen Ordner. - Die CLAUDE.md kurz halten. Sie wird bei jeder Sitzung geladen; die Kostenseite empfiehlt unter 200 Zeilen und Spezielles in Skills.
/clearzwischen zwei Aufgaben,/usage, wenn ich mich über den Verbrauch wundere.- Nichts hinein, was nicht auf einem Server außerhalb der EU liegen darf.