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Im Beruf · 4 von 7 Nr. 0040

Fünfzig Pläne gegen das Leistungsverzeichnis

Von Martin Kirschner · · 4 Minuten Lesezeit · Belege geprüft am

Ein Planlauf mit fünfzig Blättern, daneben das Leistungsverzeichnis. Was ein Sprachmodell aus dem Plan-PDF lesen kann und was nicht, und warum am Ende eine Liste offener Punkte steht und keine Freigabe.

Die Werk- und Montageplanung kommt als Planlauf: fünfzig Blätter Heizung, Lüftung, Sanitär, dazu Schemata und eine Planliste. Daneben liegt das Leistungsverzeichnis mit seinen Vorbemerkungen. Die Frage der Fachbauaufsicht ist immer dieselbe: Ist alles gezeichnet, was ausgeschrieben ist, und ist alles ausgeschrieben, was gezeichnet ist. Wer das ehrlich macht, sitzt Tage.

Was im Plan-PDF überhaupt drinsteckt

Ein Plan aus dem CAD-Programm ist als PDF kein Bild, sondern eine Sammlung von Objekten: Pfade für Linien und Flächen, Textobjekte für Schrift, Bildobjekte für Rasterdaten. Ob sich die Schrift wieder als Zeichenfolge herauslösen lässt, hängt nicht an der Einbettung, sondern an der Kodierung. Entweder verwendet die Schrift eine bekannte Kodierung, Zeichennamen oder CIDs aus einer bekannten Sammlung, oder das PDF führt eine Zuordnungstabelle (ToUnicode) mit, die jedem Zeichencode einen Unicode-Wert zuweist.

Für die Praxis heißt das dreierlei. Plankopf, Legende und Beschriftungen sind meist echter Text und damit lesbar. Die Leitungsführung dagegen besteht aus Pfaden, und was sie darstellen, steht im Zeichenstrom nicht dabei. Kommen die CAD-Ebenen sauber mit, steht wenigstens dran, dass eine Linie zur Lüftung gehört. Dass zwei Striche einen Kanal bilden und der dritte quer dazu im Weg ist, steht auch dann nirgends: Das müsste jemand aus den Koordinaten rechnen, und das ist Geometrieprüfung, nicht Textprüfung. Und ein Blatt, das als Scan hereinkommt, enthält gar keinen Text. Dann liest das Modell nur, was eine Texterkennung daraus gemacht hat, mit allen Fehlern.

Belege in ISO 32000-1:20081: Abschnitt 8 zu den Objektarten, 8.11 zu den Ebenen, 9.10.2 zur Zuordnung von Zeichencodes zu Unicode. Dieselbe Frage bei Angeboten steht in Das Angebot kommt als PDF. Beim Plan ist es schlimmer, weil der Textanteil klein ist und der Rest Geometrie.

Was das Modell prüfen kann

Aus meiner Praxis als Fachbauaufsicht mache ich eine Prüfliste, was ein Plan in seiner Projektphase enthalten muss, für Heizung, Kälte, Lüftung, Sanitär und MSR: Steht die Phase im Plankopf. Gibt es Maßstab, Planstand, Index, Datum. Ist die Legende zu allen Kürzeln vollständig. Sind Anlagen so bezeichnet, dass sie einer LV-Position zuordenbar sind. Fehlt ein Plan, den die Planliste ankündigt.

Die Liste bekommt das Modell mit dem herausgelösten Text der fünfzig Blätter und den LV-Positionen. Es arbeitet Frage für Frage ab und schreibt zu jeder, auf welchem Blatt die Antwort steht oder dass es keine gibt. Stures Vergleichen von Text gegen Text, mit eng gestecktem Rahmen.

Was es nicht kann, und warum das Ergebnis keine Freigabe ist

Ob der Kanal durch den Unterzug geht, ob die Steigleitung im Schacht Platz hat: Das steht in der Geometrie, nicht im Text, und ist aus dem herausgelösten Text deshalb nicht zu beantworten.

Das Blatt lässt sich dem Modell auch als Bild vorlegen, die heutigen Modelle sind multimodal. Wie weit das trägt, wurde im Jänner 2026 gemessen. In 192 Frage-Antwort-Paaren zu Zeichnungen lasen gängige Modelle Text mit bis zu 0,95 Genauigkeit ab, räumliches Schließen lag im Mittelfeld. Beim Zählen auf 120 Grundrissen kamen die stärksten der getesteten Modelle über die vier gezählten Klassen gemittelt auf 0,40 bis 0,55, die übrigen sieben von zehn Modellen lagen darunter, bei hohem prozentualem Zählfehler; für Türen und Fenster allein erreichte das beste Modell 0,39 und 0,34. Das Fazit der Autoren: als Dokumentenassistent brauchbar, ohne verlässliche Planlesekompetenz. Gemessen wurde an Architekturgrundrissen, nicht an Werkplänen der Gebäudetechnik, für die kenne ich keine vergleichbare Messung. Beleg: AECV-Bench, arXiv:2601.048192, Tabellen 1 und 2.

Meine Einschätzung: Wer Türen nicht sicher zählt, dem lege ich keine Kollisionsprüfung vor, die am Ende ich unterschreibe. Kollisionen suche ich weiter am Bildschirm oder im Modell des Planers. Was Sprachmodelle grundsätzlich nicht leisten, steht in Was ein Sprachmodell nicht kann.

Das Ergebnis ist deshalb eine Liste offener Punkte, keine Unterschrift: Blatt 23 hat keinen Index. Die Legende auf Blatt 07 verwendet ein Kürzel, das nirgends erklärt ist. Für Position 04.12 aus dem LV gibt es auf keinem Blatt eine passende Beschriftung. Jeden Punkt schaue ich am Plan nach. Manche lösen sich auf, weil das Kürzel doch erklärt ist, nur als Bild. Manche werden zum Mangel im Planprüfvermerk.

Darauf achte ich dabei:

  • Vor dem ersten Durchlauf prüfe ich jedes Blatt, ob der Text als Text vorliegt oder nur als Bild. Das läuft maschinell über den Textanteil je Seite. Drei Stichproben sagen nichts über die anderen siebenundvierzig, und das eine nachgescannte Bestandsblatt fällt sonst durch.
  • Jede Frage stelle ich so, dass sie am Text entscheidbar ist. „Ist die Legende vollständig" ist es, „Ist der Plan gut" nicht.
  • Zu jeder Antwort verlange ich das Blatt. Ohne Fundstelle ist die Antwort für mich nicht vorhanden.
  • Was der Text nicht hergibt, setze ich als eigenen Block ans Ende: Geometrie, Kollisionen, Platzverhältnisse. Dort steht mein Name, nicht der des Modells.

Die Zeitersparnis liegt nicht darin, dass die Prüfung wegfällt. Sie liegt darin, dass ich am Plan nur noch dort suche, wo die Liste hinzeigt.

Quellen

  1. 1ISO 32000-1:2008 opensource.adobe.com
  2. 2AECV-Bench, arXiv:2601.04819 arxiv.org

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