Die Werk- und Montageplanung kommt als Planlauf: fünfzig Blätter Heizung, Lüftung, Sanitär, dazu Schemata und ein Deckblatt mit Planliste. Auf der anderen Seite des Tisches liegt das Leistungsverzeichnis mit seinen Vorbemerkungen. Die Frage der Fachbauaufsicht ist immer dieselbe: Ist alles gezeichnet, was ausgeschrieben ist, und ist alles ausgeschrieben, was gezeichnet ist. Wer das ehrlich macht, sitzt Tage.
Was im Plan-PDF überhaupt drinsteckt
Ein Plan aus dem CAD-Programm ist als PDF nicht ein Bild, sondern eine Sammlung von Objekten. Die Norm für das Format unterscheidet Pfadobjekte für Linien und Flächen, Textobjekte für Schrift und Bildobjekte für eingebettete Rasterdaten (ISO 32000-1:2008, Abschnitt 8, Graphics). Dieselbe Norm beschreibt in Abschnitt 9.10, unter welchen Bedingungen sich Text wieder als Zeichenfolge herausholen lässt: nur dann, wenn die Schrift so eingebettet ist, dass jedes Zeichen einem bekannten Code zugeordnet werden kann.
Für die Praxis heißt das dreierlei. Erstens: Plankopf, Legende, Beschriftungen und Textblöcke sind meist echter Text und damit lesbar. Zweitens: Die Leitungsführung ist ein Haufen Linien ohne Bedeutung. Dass zwei Striche einen Kanal darstellen und der dritte quer dazu ein Kabeltrassenkonflikt ist, steht nirgends im PDF. Drittens: Ein Plan, der als Scan oder als Bild exportiert wurde, enthält gar keinen Text. Dann liest das Modell nur, was eine Texterkennung vorher daraus gemacht hat, mit allen Fehlern.
Wo dieselbe Frage bei Angeboten steht, habe ich im Beitrag Das Angebot kommt als PDF beschrieben. Beim Plan ist es schlimmer, weil der Textanteil klein ist und der Rest Geometrie.
Was das Modell prüfen kann
Die ÖNORM H 6010 legt fest, welche Pläne es in den Projektphasen der Gebäudetechnik gibt und was in ihnen enthalten sein muss, von der Vorentwurfsplanung bis zur Montageplanung, für Heizung, Kälte, Lüftung, Sanitär und MSR (ÖNORM H 6010:2015-11-01, Austrian Standards). Aus den Anforderungen für die jeweilige Phase mache ich eine Prüfliste mit Fragen, die sich am Text des Plans beantworten lassen: Steht die Phase im Plankopf. Gibt es Maßstab, Planstand, Index, Datum. Ist die Legende vollständig zu den verwendeten Kürzeln. Sind Bauteile und Anlagen so bezeichnet, dass sie einer LV-Position zuordenbar sind. Fehlt ein Plan, den die Planliste ankündigt.
Diese Liste bekommt das Modell zusammen mit dem herausgelösten Text der fünfzig Blätter und den Positionen aus dem Leistungsverzeichnis. Es arbeitet Frage für Frage ab und schreibt zu jeder, auf welchem Blatt es die Antwort gefunden hat oder dass es keine gefunden hat. Das ist stures Vergleichen von Text gegen Text, und genau das kann so ein Modell gut, wenn man ihm den Rahmen eng steckt.
Was es nicht kann, und warum das Ergebnis keine Freigabe ist
Ob der Kanal durch den Unterzug geht, ob das Gefälle der Abwasserleitung stimmt, ob die Steigleitung im Schacht Platz hat: Das sieht kein Sprachmodell aus dem Text. Das steht in der Geometrie, und die Geometrie ist für das Modell eine Wolke aus Linien. Kollisionen findet man am Bildschirm oder im Modell des Planers, nicht im Prompt. Was Sprachmodelle grundsätzlich nicht leisten, steht im Beitrag Was ein Sprachmodell nicht kann.
Deshalb ist das Ergebnis der Prüfung eine Liste offener Punkte, keine Unterschrift. Ein Beispiel, wie so eine Liste aussieht: Blatt 23 hat keinen Index. Die Legende auf Blatt 07 verwendet ein Kürzel, das nirgends erklärt ist. Für die Position 04.12 aus dem LV gibt es auf keinem Blatt eine Beschriftung, die dazu passt. Jeden dieser Punkte schaue ich am Plan nach. Manche lösen sich in Luft auf, weil das Kürzel doch erklärt ist, nur als Bild. Manche werden zum Mangel im Planprüfvermerk.
Darauf achte ich dabei:
- Vor dem ersten Durchlauf ein Blatt aufmachen und prüfen, ob der Text als Text vorliegt oder nur als Bild. Bei fünfzig Blättern reicht eine Stichprobe von drei bis vier, quer durch die Gewerke.
- Jede Frage der Prüfliste so stellen, dass sie am Text entscheidbar ist. „Ist die Legende vollständig" ist entscheidbar. „Ist der Plan gut" ist es nicht.
- Zu jeder Antwort das Blatt verlangen. Ohne Fundstelle ist die Antwort für mich nicht vorhanden.
- Was der Text nicht hergibt, gehört an das Ende der Liste als eigener Block: Geometrie, Kollisionen, Platzverhältnisse. Dort steht dann mein Name, nicht der des Modells.
Die Zeitersparnis liegt nicht darin, dass die Prüfung wegfällt. Sie liegt darin, dass ich am Plan nur noch dort suche, wo die Liste hinzeigt.