In Angeboten und Vorträgen kommen dieselben vier Wörter vor, und selten meint jemand damit dasselbe. Eine verbindliche Definition gibt es nicht. Was es gibt, ist eine brauchbare Ordnung, und die läuft über eine einzige Frage: Wie viel darf das System selbst entscheiden?
Das Modell
Die nackte Rechenmaschine. Text kommt hinein, Text kommt heraus. Es merkt sich nichts, kann nichts abrufen, tut nichts. GPT, Claude, Llama, Mistral sind Modelle.
Ein Modell allein ist für einen Betrieb kaum brauchbar, so wie ein Motor ohne Auto.
Der Assistent
Ein Modell mit einer Oberfläche und ein bisschen Drumherum: Gesprächsverlauf, Dateien hochladen, vielleicht eine Websuche. ChatGPT und Copilot in dieser Form sind Assistenten. Der Mensch fragt, das System antwortet, der Mensch entscheidet, was er damit macht.
Das ist die Stufe, auf der die meisten Betriebe stehen, und für vieles ist sie genau richtig.
Der Agent
Hier beginnt der Unterschied, der zählt. Ein Agent bekommt ein Ziel statt einer Frage und darf selbst Schritte planen und Werkzeuge aufrufen: eine Datei lesen, eine Suche starten, eine Berechnung anstoßen, in ein anderes System schreiben. Er arbeitet in Schleifen, prüft Zwischenergebnisse und macht weiter, bis er meint, fertig zu sein.
Der Nutzen ist offensichtlich, das Risiko auch. Ein Assistent, der Unsinn erzählt, kostet Sie eine Minute. Ein Agent, der Unsinn ausführt, schreibt den Unsinn in Ihr System. Deshalb gilt für mich: Ein Agent braucht Grenzen, bevor er Rechte bekommt. Was darf er ändern, was nur lesen, wo braucht er eine Freigabe, wo ist der Not-Aus.
Der Copilot
Weniger eine Technik als eine Haltung: Das System sitzt neben dem Menschen und schlägt vor, der Mensch entscheidet. Das Wort ist gut gewählt, denn im Cockpit sitzt der Kapitän daneben. In der Praxis kleben Hersteller das Wort inzwischen auf alles, vom Assistenten bis zum Agenten. Man muss also nachfragen, was gemeint ist.
Die Frage, die ich immer stelle
Wenn mir jemand ein KI-Werkzeug zeigt, will ich eines wissen: Was passiert, wenn es sich irrt?
- Beim Assistenten: Der Mensch merkt es, bevor etwas geschieht.
- Beim Agenten: Es ist schon geschehen. Die Frage ist, ob man es zurücknehmen kann.
Daraus folgt eine einfache Regel, die sich für mich bewährt hat: Je mehr ein System selbst entscheiden darf, desto enger muss der Rahmen sein, in dem es das tut. Ein Agent, der Rechnungen vorsortiert, ist harmlos. Ein Agent, der Rechnungen freigibt, ist ein Haftungsthema.
Das ist übrigens auch der Punkt, an dem die EU-KI-Verordnung ansetzt. Sie fragt nicht, wie schlau ein System ist, sondern was passiert, wenn es danebenliegt.