399 · Herz rundumFarbwelt: Weiß und Hellgrau, Herzmuskel, Blutrot und venöses Blau. So probieren Sie es aus: Erklärung mit Vor und Zurück oder den Pfeiltasten. Herz mit der Maus drehen, Mausrad zoomt.
Mit der Maus ziehen: Herz frei drehen
Diese Darstellung dient der Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, im Notfall an 144.
Herz erklärt
Ihr Herz, rundum erklärt.
Erklärung
Ansicht
Schnitt
Rhythmusstörungen
Zwei Pumpen in einem Organ
Das Herz besteht aus zwei Hälften, die im selben Takt schlagen. Die rechte Hälfte pumpt das Blut durch die Lunge (Lungenkreislauf), die linke durch den ganzen Körper (Körperkreislauf). Dazwischen liegt die Herzscheidewand (Septum), eine kräftige Muskelwand.
Der Weg des Blutes
Sauerstoffarmes Blut (blau) kommt über die Hohlvenen (große Körpervenen) in den rechten Vorhof, die rechte Kammer pumpt es zur Lunge. Dort nimmt es Sauerstoff auf und fließt über die Lungenvenen in den linken Vorhof. Die linke Kammer pumpt es als sauerstoffreiches Blut (rot) über die Aorta (Hauptschlagader) in den Körper.
Vier Ventile
Vier Klappen sorgen dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fließt: 1 Trikuspidal-, 2 Pulmonal-, 3 Mitral- und 4 Aortenklappe. Sie öffnen sich, wenn das Blut weiterströmen soll, und schließen sich, bevor es zurückfließen kann. Das Schließen hört man mit dem Stethoskop als ersten und zweiten Herzton.
Der Taktgeber
Der Sinusknoten (natürlicher Schrittmacher) im rechten Vorhof gibt den Takt vor. Sein elektrischer Impuls läuft über die Vorhöfe zum AV-Knoten (Schaltstelle zu den Kammern) und wird dort kurz verzögert. Über His-Bündel, Tawara-Schenkel und Purkinje-Fasern (Leitungsbahnen im Herzmuskel) erreicht er beide Kammern. Das Licht zeigt den Weg.
Systole und Diastole
In der Systole (Arbeitsphase) spannen sich die Kammern an und werfen das Blut aus. In der Diastole (Erholungsphase) erschlaffen sie und füllen sich wieder. Im EKG steht die P-Welle für die Vorhöfe, der QRS-Komplex für die Erregung der Kammern und die T-Welle für ihre Erholung.
Die Herzkranzgefäße
Die Herzkranzgefäße (Koronararterien) versorgen den Herzmuskel selbst mit Blut, die Venen führen es zurück in den Sinus coronarius (Sammelvene). Das gelbliche Fettgewebe (epikardiales Fett) liegt normal in den Furchen und polstert die Gefäße. Verengte Kranzgefäße sind die Ursache der koronaren Herzkrankheit; der Internist prüft das etwa mit dem Belastungs-EKG.
Von vorne
Vorne liegt vor allem die rechte Kammer, die linke Kammer bildet den linken Rand und die Herzspitze. Oben verlassen Aorta (Hauptschlagader) und Lungenarterie das Herz. In den Furchen verlaufen die Herzkranzgefäße (Versorgung des Herzmuskels), eingebettet in gelbliches Fettgewebe.
Die Rückseite
Hinten liegt der linke Vorhof, in ihn münden die vier Lungenvenen. In der hinteren Kranzfurche (Rinne zwischen Vorhöfen und Kammern) sammelt der Sinus coronarius (große Herzvene) das Blut der Herzvenen und leitet es in den rechten Vorhof. Die Hinterwandarterie zieht zur Herzspitze.
Die linke Seite
Von links sieht man die linke Kammer mit ihrer kräftigen Wand, das linke Herzohr (Ausbuchtung des Vorhofs) und den Stamm der Lungenarterie. In der Kranzfurche läuft die Umschlagsarterie nach hinten. Über allem spannt sich der Aortenbogen.
Die rechte Seite
Rechts liegt der rechte Vorhof mit dem rechten Herzohr (Ausbuchtung des Vorhofs). Obere und untere Hohlvene (große Körpervenen) bringen hier das sauerstoffarme Blut aus dem Körper zurück. In der rechten Kranzfurche verläuft die rechte Kranzarterie.
Die Herzbasis von oben
Von oben blickt man auf die Herzbasis (das breite obere Ende) mit den großen Gefäßen. Der Aortenbogen gibt drei Äste zu Kopf und Armen ab, die Lungenarterie teilt sich in einen rechten und linken Ast. Dahinter liegt der linke Vorhof mit den Lungenvenen.
Das ganze Herz
Das Herz ist etwa so groß wie eine Faust und schlägt ohne Pause, rund 100.000-mal am Tag. Drehen Sie es in jede Richtung, um Vorhöfe, Kammern, Gefäße und die Herzkranzgefäße von allen Seiten zu sehen.
So drehen Sie das Herz: mit der Maus oder dem Finger auf das Herz tippen und ziehen, ganz frei in jede Richtung. Die Pfeile über dem Herz drehen schrittweise, Plus und Minus (oder das Mausrad, am Handy zwei Finger) vergrößern. „Vorderansicht“ stellt es wieder gerade.
Der Vierkammerblick
Der Schnitt von vorne zeigt alle vier Räume: oben die Vorhöfe (Vorkammern), unten die Kammern. Sauerstoffarmes Blut fließt durch die rechte Hälfte zur Lunge, sauerstoffreiches aus der Lunge durch die linke Hälfte in die Aorta. So sieht der Arzt das Herz auch im Herzultraschall (Echokardiografie).
Längsschnitt der linken Herzhälfte
Der Weg des sauerstoffreichen Blutes: aus dem linken Vorhof durch die Mitralklappe in die linke Kammer, dann durch den Ausflusstrakt (Auslass der Kammer) und die Aortenklappe in die Aorta. Diesen Blick nutzt auch der Herzultraschall.
Querschnitt durch die Kammern
Von der Herzspitze aus gesehen ist die linke Kammer ein dicker, runder Muskelring, denn sie pumpt gegen den hohen Druck im Körper. Die rechte Kammer legt sich als dünnwandige Sichel an. Dazwischen liegt die Scheidewand (Septum); die Papillarmuskeln (kleine Haltemuskeln) halten die Segel der Klappen.
Die vier Klappen von oben
Ohne Vorhöfe und Gefäße blickt man von oben auf die vier Klappen. 1 Trikuspidal- und 3 Mitralklappe mit drei bzw. zwei Segeln (dünnen Klappenblättern) öffnen sich, wenn sich die Kammern füllen. 2 Pulmonal- und 4 Aortenklappe mit je drei Taschen öffnen sich beim Auswerfen.
Normaler Sinusrhythmus
Der Sinusknoten gibt den Takt vor. Jede Erregung der Vorhöfe (P-Welle) erreicht nach einer kurzen Pause im AV-Knoten die Kammern (QRS-Komplex), danach erholen sie sich (T-Welle). In Ruhe schlägt das Herz so etwa 60- bis 100-mal pro Minute, gleichmäßig und kräftig. Wählen Sie eine Rhythmusstörung, um zu sehen, was sich ändert.
Supraventrikuläre Extrasystole
Eine Stelle im Vorhof löst einen Herzschlag aus, bevor der Sinusknoten so weit ist. Im EKG kommt eine anders geformte P-Welle zu früh, der QRS-Komplex bleibt schmal, danach folgt eine kurze Pause. Viele spüren nichts, manche ein kurzes Herzstolpern. Einzelne Extrasystolen sind meist harmlos; treten sie gehäuft auf, klärt der Internist das mit Langzeit-EKG und Herzultraschall ab.
Ventrikuläre Extrasystole
Der Extraschlag entsteht in der Kammerwand und breitet sich langsam über den Muskel aus. Im EKG ist der QRS-Komplex breit und verformt, ohne P-Welle davor, die T-Welle zeigt in die Gegenrichtung; danach folgt eine volle Pause. Der Schlag wirft weniger Blut aus, manche spüren ein Stolpern. Bei gesundem Herzen meist harmlos; der Internist prüft das mit Langzeit-EKG und Herzultraschall.
Vorhofflimmern
Ungeordnete Erregungen kreisen durch die Vorhöfe, sie zucken nur noch, statt sich kräftig zusammenzuziehen. Der AV-Knoten lässt die Impulse unregelmäßig durch, die Kammern schlagen völlig unregelmäßig (absolute Arrhythmie). Im EKG fehlen die P-Wellen, die Nulllinie zittert. Manche spüren Herzrasen oder Herzstolpern, andere nichts. Vorhofflimmern gehört immer ärztlich abgeklärt, mit EKG, Langzeit-EKG und Herzultraschall.
Vorhofflattern
Eine Erregung kreist im rechten Vorhof, etwa 300-mal pro Minute; im EKG entstehen Sägezahn-Wellen. Der AV-Knoten leitet nur jede zweite oder vierte Welle weiter ( ), die Kammern schlagen dann regelmäßig etwa 150- oder 75-mal pro Minute. Häufig spürt man Herzrasen oder Atemnot. Der Internist sichert die Diagnose mit EKG und Herzultraschall.
Anfallsartiges Herzrasen (AVNRT)
Manche Menschen haben im AV-Knoten zwei Leitungsbahnen, über die ein Impuls im Kreis laufen kann. Dann beginnt plötzlich ein regelmäßiges Herzrasen mit etwa 170 bis 190 Schlägen pro Minute, das ebenso plötzlich endet. Die QRS-Komplexe bleiben schmal, die P-Wellen verstecken sich darin. Typisch ist Herzklopfen bis in den Hals, das Herz ist meist gesund. Der Internist versucht, einen Anfall im EKG oder Langzeit-EKG festzuhalten.
Sick-Sinus-Syndrom
Beim Sinusknotensyndrom arbeitet der Taktgeber unzuverlässig: Das Herz schlägt oft zu langsam, etwa 40-mal pro Minute, manchmal setzt es Sekunden ganz aus (Sinuspause). Dazwischen kommt plötzlich Herzrasen, etwa durch Vorhofflimmern. Möglich sind Schwindel, Schwäche und kurze Bewusstseinsverluste, häufiger im Alter. Der Internist klärt das mit dem Langzeit-EKG ab und bespricht, ob etwa ein Herzschrittmacher sinnvoll ist.
AV-Block 1. Grades
Der Impuls verweilt im AV-Knoten länger als üblich, kommt aber jedes Mal bei den Kammern an. Im EKG ist die PQ-Zeit bei jedem Schlag länger als 0,2 Sekunden, sonst ist alles normal. Man spürt davon nichts; oft ist es ein Zufallsbefund, etwa bei Sportlern oder durch Medikamente. Der Internist kontrolliert das im EKG und fragt nach Medikamenten.
AV-Block 2. Grades, Typ Wenckebach
Der AV-Knoten ermüdet von Schlag zu Schlag: Die PQ-Zeit wird länger, bis eine Vorhoferregung nicht mehr durchkommt und ein Kammerschlag ausfällt. Danach erholt sich die Leitung, und alles beginnt von vorn. Oft spürt man nichts, manchmal ein Aussetzen des Pulses. Bei Sportlern kommt das im Schlaf vor; der Internist klärt es mit EKG und Langzeit-EKG ab.
AV-Block 2. Grades, Typ Mobitz II
Die PQ-Zeit bleibt gleich, doch plötzlich wird eine Vorhoferregung nicht weitergeleitet und ein Kammerschlag fällt aus. Die Leitung bricht meist unterhalb des AV-Knotens ab, im His-Bündel. Schlägt das Herz dadurch zu langsam, kommt es zu Schwindel, Schwäche oder kurzer Ohnmacht. Mobitz II sollte rasch ärztlich abgeklärt werden, mit EKG, Langzeit-EKG und Herzultraschall.
AV-Block 3. Grades
Keine Vorhoferregung erreicht mehr die Kammern, der Impuls bleibt am AV-Knoten stehen. Die Vorhöfe schlagen weiter im Takt des Sinusknotens, etwa 70-mal pro Minute; die Kammern springen mit einem eigenen, langsamen Ersatzrhythmus von etwa 35 Schlägen ein, ganz unabhängig davon. Häufig sind Schwindel, große Müdigkeit oder Ohnmacht. Ein kompletter AV-Block muss umgehend ärztlich behandelt werden.
Ventrikuläre Tachykardie
Ein Ort in der Kammer übernimmt den Takt und feuert sehr schnell, etwa 180-mal pro Minute. Die Kammern schlagen hastig, füllen sich kaum und werfen wenig Blut aus; die Vorhöfe schlagen unabhängig weiter. Im EKG zeigen sich schnelle, breite, gleichförmige Kammerkomplexe. Typisch sind Herzrasen, Schwindel oder Ohnmacht. Eine anhaltende Kammertachykardie ist ein Notfall; die Ursache klärt danach der Internist.
Ihr Herz im Blick.
Mit EKG, Herzultraschall und Belastungs-EKG sehen wir, wie Ihr Herz arbeitet. Die Ergebnisse besprechen wir in Ruhe mit Ihnen.